Was gehört zu einem vollständigen Baugrubenaushub?
Ein vollständiger Baugrubenaushub beginnt vor dem ersten Stich mit Absteckung und Höhenbezug. Grundfläche, notwendiger Arbeitsraum neben dem Bauwerk und die Aushubtiefe werden festgelegt, damit später weder nachgearbeitet noch unnötig Material bewegt werden muss. Dazu kommen Oberbodenabtrag, Aushub, Böschung, Wasserführung und das abgezogene Planum. Den Höhenbezug halten wir während der gesamten Arbeit nach.
Ausschachtung für Keller, Anbau, Fundamente und Hallenbauten
Für einen Keller wird die Grube flächig bis unter die Bodenplatte ausgeschachtet, für einen Anbau meist in Anschluss an ein bestehendes Gebäude, dessen Fundament nicht unterschnitten werden darf. Bei Hallen- und Gewerbebauten stehen große Flächen, Einzel- und Streifenfundamente sowie die Befahrbarkeit der Sohle im Vordergrund. Die Gerätewahl – Mobilbagger, Kettenbagger oder Minibagger in engen Bereichen – richtet sich nach Kubatur, Zufahrt und Abstand zu Bestandsbauten.
Bodenarten, Böschungswinkel und Arbeitsraum nach DIN 4124
Wie steil eine Grubenwand stehen bleiben darf, regelt DIN 4124 nach Bodenart und Tiefe. Ohne Verbau sind senkrechte Wände nur bis 1,25 m zulässig; darüber gelten ohne rechnerischen Nachweis Regelböschungen von 45° für nichtbindige oder weiche bindige Böden, 60° für mindestens steife bindige Böden und 80° für Fels. Zwischen Bauwerk und Böschungsfuß bleibt ein Arbeitsraum von mindestens 0,50 m. Wo der Platz für eine geböschte Grube fehlt, ist ein Verbau erforderlich – das klären wir vor der Ausführung, nicht auf halbem Weg. Randbereiche halten wir von Aushublagerung frei, damit die Böschung nicht zusätzlich belastet wird.
Wasser in der Grube
Schicht- und Niederschlagswasser sammeln sich in jeder offenen Grube. Wir legen vorab fest, wie das Wasser gefasst und abgeleitet wird, damit die Sohle nicht aufweicht und tragfähig bleibt. Auf bindigen Böden ist das der häufigste Grund, warum eine Grube nachgearbeitet werden muss.
Sohle, Planum und Übergabe
Die Sohle wird abgezogen, auf Höhe geprüft und verdichtet, sodass das folgende Gewerk unmittelbar aufbauen kann. Zufahrt und Kranstellfläche stimmen wir mit ab. Weicht der vorgefundene Boden von der Annahme ab, melden wir das sofort zurück – mit Vorschlag, was daraus folgt.
Aushubentsorgung, Bodentrennung und Massenbilanz
Oberboden, Unterboden und Störstoffe halten wir beim Aushub getrennt, weil jede Fraktion einen anderen Weg nimmt. Vor Beginn stellen wir eine Massenbilanz auf: Wie viel Material wird für Arbeitsraumverfüllung und Geländeanpassung wieder gebraucht, wie viel wird zwischengelagert und wie viel muss abgefahren werden. Material, das die Baustelle verlässt, wird nach den geltenden Vorgaben beprobt, deklariert und einer Verwertung oder Entsorgung zugeführt.
Kostenfaktoren beim Baugrubenaushub: Kubatur, Bodenklasse und Zufahrt
Beim Aushub bestimmen drei Größen den Aufwand: die Kubatur, die Bodenart – früher als Bodenklasse bezeichnet, heute als Homogenbereich beschrieben – und der Umgang mit dem Material. Ein Boden, der wiederverwendet oder auf dem Grundstück umgelagert werden kann, ist deutlich günstiger als Material, das deklariert, verladen und entsorgt werden muss. Dazu kommen Böschung oder Verbau, Wasserhaltung, die Zufahrt für Maschine und Lkw sowie die Anfahrt. Wir nennen deshalb keinen Kubikmeterpauschalpreis vorab, sondern kalkulieren nach Aufnahme der Situation.